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Notfall-Projekt 12



DSC_5603Manchmal ist es auch komisches Gefühl. Wir werden irgendwo hin geführt. Inmitten eines fremden Lebens. Plötzlich sind wir da, vermutlich auch ein komisches Gefühl für die Betroffenen. Sie werden aus dem Nichts befragt und abgelichtet, auch wenn wir sicher nur Gutes im Sinn haben.

Wir sind noch immer in O´Pong Moeahn, einer sehr kleinen Stadt etwa 13 Km von unserem Headquarter entfernt. Wir besuchen Lame Song, eine 56 jährige Frau. Bei ihr wohnen die beiden Enkelsöhne.

Ihre Hütte steht auf fremdem Land. Bei der Frage nach ihren Kindern bricht die Frau sofort in Tränen aus. Ihre Tochter ist eines Tages weggegangen um zu versuchen, Geld zu verdienen. Sie ist nie wieder aufgetaucht und hat sich nie wieder gemeldet. Der Grund ist leider nicht zu ermitteln, aber die Dame sitzt seither im Eingang ihrer Hütte und schaut in die Richtung, in die sie vor Jahren gegangen ist. Sie scheint zu zerbrechen. Es ist nicht wie bei uns, eine Vermisstenanzeige oder sonstige Infrastruktur gibt es hier nicht.

Die Frau ist alleine, kein eigenes Land, eine super kleine und simple Hütte und kaum eine Möglichkeit irgendwas zu erwirtschaften. Je länger wir in ihre Augen schauen, desto klarer wird uns, wie schwierig ihre Situation ist und wie sehr sie leidet. Wir analysieren weiter ihre Situation um gezielter helfen zu können.

Die Dame ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr die Menschen auf diesem Lebensniveau leiden. Die Meinung „sie sind es ja nicht anders gewohnt“ ist schiere Unwissenheit. Meist irgendwo nur geduldet, alleine, keinerlei Perspektiven und in diesem Fall auch noch eine vermisste Tochter.

An dem Bild erkennen wir, dass die Dame Christin ist, recht selten in Kambodscha.

An dem Bild erkennen wir, dass die Dame Christin ist, recht selten in Kambodscha.

Wir wollen ihr helfen, etwas weniger depressiv zu sein. Bong schlägt vor, sie ggf. in unser Dorf Chy Hong I oder II umzusiedeln. Eigene Hütte, eigenes Grundstück und weniger Sorgen. Dazu neue Gesichter und uns im Rücken. Das braucht sie, das könnte helfen.

Wir checken sofort und noch vor Ort die Situation in unseren Dörfern und fragen sie, ob sie grundsätzlich bereit und motiviert wäre, umzuziehen. Sie antwortet sehr ehrlich und achtet nicht auf die materiellen Vorteile. Nein, sie möchte gerne hier in der gewohnten Umgebung bleiben. Eine Familie im Ort hat ihr etwas Land angeboten, für die Hütte aber muss sie selber sorgen. Wir werden helfen, dafür sind wir hier.

Sie klagt über Schmerzen im Bein. Pascal klettert sofort in die enge Hütte und stellt eine starke Arthrose auf der rechten Seite fest. Er zeigt ihr einige Übungen, die bereits nach kurzer Zeit Linderung versprechen.

Als nächstes checken wir ihre Augen. Sie ist weitsichtig und braucht eine Lesebrille für die Nähe. Dann sollten auch die Kopfschmerzen nachlassen. Die nötige Brille (+2,00) haben wir dabei und lösen dieses Problem sofort. Wieder ein kleiner Schritt in Richtung „positive Veränderung“.

 

 

Maßnahmen
– kleines Haus, wenn geklärt ist, dass sie das Land langfristig nutzen kann 400,-
– wenn ja, dann Bio-Sand-Filter + RRH + Latrine 400,-
– Küchen-Set (Teller, Tassen, Gabeln, Messer, Fischsoße, etc) 30,-
– Schlaf-Set (Decke, Kissen, Bastmatte, Moskitonetz) 30,-
– Reis 150 Kg 67,-
– Schuluniform + Kleider für die beiden Enkelsöhne 53,-
– Brille 4,-


Gesamtaufwand:
€ 984,-

Fazit: Den Verbleib der Tochter können wir leider nicht klären, aber wir können den restlichen Background der Dame stabilisieren und so vielleicht das Abrutschen in eine noch stärkere Depression verhindern.


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